Besuch des Grundkurs für Schiffsmotoren bei MT Marine Technik

Am Freitag habe ich bei Heinz Dirnberger von MT Marine Technik (www.bootsmotoren.ch) in Bächau bei Bäch den Dieselmotoren-Grundkurs besucht. Den Kurs habe ich gebucht, da ich von Motoren bisher sehr wenig verstand und ich der Meinung bin, dass man zumindest ein Grundwissen haben muss, wenn man mit einem Segelboot auf dem Meer oder Binnengewässer unterwegs ist.

Wir waren ein kleines Grüppchen von 6 Personen und wurden von Heinz herzlich mit einem Kaffee begrüsst. Die abgegebenen Kursunterlagen enthalten umfangreiche Informationen, die an diesem Tageskurs behandelt werden. Der Kurs begann um 9.15 und endete um 17.30, mit einer gemeinsamen Mittagspause in einer naheliegenden Pizzeria. Heinz führt die Kurse bereits seit fast 35 Jahren durch; dies souverän und mit grosser Begeisterung und Leidenschaft. Entsprechend gross ist sein Know-How und Erfahrungsschatz, von dem wir an diesem Tag profitieren konnten.

Motorentypen und Funktionsweise

Zum Einstieg folgte eine Übersicht über Benzin- und Dieselmotoren sowie 2- und 4-Takter. Unter anderem kamen die Vor- und Nachteile der einzelnen Typen zur Sprache. Da in den meisten Freizeit-Booten Diesel 4-Takt Motoren zum Einsatz kommen, lag der Schwerpunkt auf diesem Motoren-Typ. Im Detail haben wir erklärt bekommen, was genau die 4 Takte sind, und zwar für Benziner und Diesel.

Wichtig für den Unterhalt und Problemlösung eines jeden Motors sind folgende Angaben zwingend zu kennen, damit klar definiert ist, welcher Motor im Einsatz ist: Hersteller, Typ, Modelnummer, Seriennummer. Für Getriebe sind ebenfalls die gleichen Angaben notwendig, zusätzlich kommt aber noch die Untersetzung hinzu.

Auf einer schematischen Zeichnung und direkt auch an einem richtigen Motor wurden die einzelnen Bestandteile gezeigt und erklärt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Marinisierung eines Motors erklärt (wie wird aus einem „normalen“ Motor – welcher meistens die Grundlage ist – ein Bootsmotor).

Schmiermittel

Das wichtige Thema der Schmiermittel wurde ausführlich erklärt. Dabei kamen Qualität und Viskosität sowie Zusätze im Detail zur Sprache. Interessant war auch der Unterschied zwischen Auto-Ölen und Ölen für den marinen Gebrauch zu erfahren.

Für Motoren kann aus einer Auswahl von Ölen, die gewissen Spezifikationen entsprechen, frei gewählt werden. Hingegen müssen für Getriebe genau die explizit vom Getriebehersteller definierten Öle eingesetzt werden. Für Motoren sollte jährlich, für Getriebe alle 2 Jahre, das Öl gewechselt werden, und zwar im Herbst und wenn das Öl heiss ist (Motor sollte eine Weile gelaufen sein), damit Ablagerungen beim Wechsel mitkommen.

Kühlsystem und Kühlmittel

Die drei gängigsten Kühlsysteme wurden vorgestellt: Einkreis- (direkte Seewasserkühlung), Zweikreis- und Aussenhautkühlung (Kielkühlung). Dabei wurden die Vor- und Nachteile sowie Einsatzgebiete diskutiert. Auch ging es hier um das Kühlmittel und dessen Einfluss auf den Motor (u.a. Elektrolyse) sowie die Einwinterung eines Motors. Als wichtigstes Bauteil eines Motors, dessen Ersatz (inkl. Werkzeuge für Aus- und Einbau) man unbedingt immer dabeihaben muss, ist der zum Kühlsystem passende Impeller. Dieser zieht das Kühlwasser an und steht am Anfang des (äusseren) Kühlsystems. Heinz hat empfohlen, den Impeller jeweils Anfang der Saison (im Frühling) zu wechseln. Dabei soll der bestehende Reserve-Impeller eingebaut werden und ein neuer als Reserve bestellt werden (somit ist der eingebaute Impeller nie älter als 1-2 Jahre und der Reserve-Impeller immer „frisch“). Dies, weil das Neopren-Material, aus dem der Impeller besteht, sonst durch eine langjährige Lagerung spröde wird.

Auch sollte das Kühlmittel regelmässig ausgetauscht und nur das vom Hersteller spezifizierte verwendet werden. Heinz hat uns einige Beispiele erzählt, wie falsche Kühlmittel Motoren innerhalb kürzester Zeit ruiniert haben.

Kraftstoff und Kraftstoffsystem

Zuerst theoretisch und dann an verschiedenen Motoren wurde das Kraftstoffsystem erklärt. Dabei wird zwischen dem Bereich mit Niedrigdruck und mit Hochdruck unterschieden. Anhand der einzelnen Segmente haben wir auch die Wartung und Kontrolle angeschaut. Dies sind der Vorfilter mit Wasserabscheider sowie der Feinfilter. Wichtig war für uns auch zu sehen, wie man ein Niedrigdrucksystem entlüften muss, falls Luft ins System kommen sollte (kommt u.a. vor beim Filterwechsel oder wenn man den Tank leer fährt). Das Entlüften ist einer der Punkte, den man als Skipper unbedingt kennen muss.

Spannend war dann auch zu sehen, wie sich Dreck und Wasser am Tankboden sammelt (ist schwerer als Diesel), da bei den Freizeit-Booten grundsätzlich keine Vollumwälzung des Kraftstoffes im Tank stattfindet. Wir haben auch die verschiedenen Zusätze und Diesel-Qualitäten besprochen.

Als weiteren wichtigen Punkt hat uns Heinz auch ans Herz gelegt, den Hochdruck-Teil des Kraftstoffsystems nicht anzufassen oder zu verändern. Dies insbesondere auch für die computergesteuerten Motoren.

Elektrolyse

Das Thema Elektrolyse wurde mehrmals in verschiedenen Kontexten angesprochen. Dabei ging es um unterschiedliche Opferanoden (See, Meer). Heinz hat uns auch empfohlen, dass man bei der Wahl der Anode am besten mit einem Bootsmechaniker vor Ort dies besprechen sollte, da diese die lokalen Gegebenheiten kennen und entsprechend auch Erfahrungen haben.

Auch wurde der Einfluss von Landstrom gezeigt und worauf man achten soll (u.a. Trenntrafo).

Übersichten

In den Kursunterlagen sind die wichtigsten Punkte übersichtlich zusammengefasst. Es lohnt sich, diese als Skipper zu kennen und griffbereit mitzuführen. Es sind dies:

  • Motorenkontrolle und Betrieb
  • Service und Unterhalt
  • Entlüften
  • Fehlersuche
  • Werkzeuge an Bord
  • Ersatzteile für den Motor
  • Schmiermittel

Teilnehmer

Die meisten Teilnehmer haben ein Boot oder haben im Sinn, eines zu kaufen. Entsprechend kamen sehr spannende Fragen und Erfahrungen zur Sprache. Dabei zeigte es sich, dass es viele sehr unterschiedliche Motoren gibt und man sich entsprechend im Detail mit seinem Motor beschäftigen sollte, um Probleme vorzubeugen oder anzugehen.

Wie weiter

Ich war von diesem Kurs sehr begeistert, da ich nach nur einem Tag schon das Gefühl habe, einiges mehr von Motoren und alles, was dazu gehört, zu verstehen. Entsprechend werde ich wahrscheinlich auch die beiden Folgekurse (Dieselmotoren- und Elektrikkurs 2 – Aufbaukurs / Dieselmotoren- und Elektrikkurs 3 – Praxiskurs) besuchen, die Heinz ab dem Herbst wieder anbietet.

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